Architektur3

Kirchturm St. Georg in Bleibach

Standort: Bleibach

Fertigstellung: 2019

Bauweise: Holzbau

Bauherr: Kirchengemeinde St. Georg

 

 

 

 

Dieser Turm, der hat drei Ecken ...

... und die haben es in sich. Denn Sie markieren ein gleichseitiges Dreieck, das in der christlichen Mythologie für die Dreieinigkeit, die Trinität des göttlichen Wesens steht. Die Grundform des Turms findet sich bereits in der Ausformung des Kirchenzeltes aus den 1970 er Jahren wieder, welches als Kirchenschiff dient. Dieses überspannt auch den gotischen Chor aus dem Jahr 1514. Dieses Kirchenzelt hat ein Tragwerk aus Holz.           

Im Grunde haben wir in der Kirche unseres Heimatortes das vorgefunden, was wir im neuen Turm umgesetzt haben: Die Grundrissform und das Material. Auch die äußere Gestalt des Turmes nimmt Bezug auf den Bestand, die fallenden Linien des Kirchenschiffes finden sich in der Ausformung des Turmkopfes wieder.

Der Turm steht als Landmarke im Zentrum des Zweitälerland, und zwar ziemlich genau an der Stelle, wo sich das Elztal mit dem Simonswälder- und Siegelauertal kreuzt. Der Turm selbst hat drei Teile: den Turmschaft, das Glockengestühl und den Turmkopf. In diesen drei Teilen sind auch unterschiedliche Funktionen untergebracht, denn der Kirchturm der Pfarrgemeinde St. Georg ist kein reiner Glockenturm. An der obersten Stelle des Schaftes befindet sich eine Aussichtsplattform, die mit einem Schiebeladensystem geöffnet werden kann und eine hervorragende Aussicht ins Elztal und die umliegenden Berge bietet. Im Turmkopf sind Vorrichtungen für seltene Vogel- und Fledermausarten integriert.

Das Thema Licht und Zeit spielte bei den Planungen eine wichtige Rolle. Zum einen die Lichtwirkung innerhalb des Turmes, die durch schmale Glasschlitze erzeugt wird, sowie die Wirkung der Sonne auf der Fassade. Durch die gewählte Grundrissform steht meist eine Fassade in der Sonne und zwei liegen im Schatten, somit lässt sich die Tageszeit schon beim Anblick des Turmes erahnen. Zusätzlich erhält der Turm allein schon durch das Licht ein lebendiges Äußeres und „erscheint“ im wahrsten Sinn von jeder Seite anders. Der Verlauf der Sonne und somit auch die Tageszeit können innerhalb und außerhalb des Turmes abgelesen werden.

Die Weißtanne ist die typische Nadelbaumart im Schwarzwald. Deswegen war es für uns logisch in einer Tallage des mittleren Schwarzwaldes Weißtannenholz als Konstruktionsmaterial für den Turm auszuwählen. Um die dynamischen Lasten der schwingenden Glocken aufzunehmen, wurde die Konstruktion aus Kreuzlagenholztafeln geplant, diese weisen eine hohe Steifigkeit auf und eignen sich hervorragend für diese Planungsaufgabe. Aus Weißtannenholz ist auch die Treppe hergestellt, die dem gleichseitigen Dreiecksgrundriss folgt.

Eine weitere Innovation ist Fassadenverkleidung aus Accoya. Dabei wird durch das Acetylierungsverfahren das Holz dauerhafter und ist damit viel resistenter gegen Pilzbefall. Aufgrund der lieferbaren Brettlängen wurde im Bereich des Turmschaftes ein Fassadenrhythmus entwickelt, in den sich auch die Fensterschlitze integrieren. Die Schallöffnungen und die vorgestellten Lamellen zur gerichteten Schallausbreitung sind aus dem gleichen Material hergestellt. Die Schiebeläden schneiden in die Form des Turmes ein und erzeugen damit eine gewisse Dynamik, die dem Äußeren eine zusätzliche optische Spannung verleiht.

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